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lalia / malum
Ich höre sie schon wieder in ihren Kampfesgesängen, wie sie ihrer ungehemmten Empörungslust frönen, all jene, die im Genderwahn und eigener sprachlicher Herrschaftssucht fündig (und gemäß ihrem unablässigen inneren Druck auch tätig) werden! Lalia, ae : ist lateinisch und weiblich, bedeutet: Geschwätz. Bitte, einfach sich beruhigen, hat nichts mit Angriff auf Weiblichkeit oder gar mit Mißachtung derselben zu tun. Wir wissen es doch: Geschwätz und Geschwätzigkeit finden wir natürlich besonders auch in der Männerwelt, offensichtlich, zweifelsohne -- ich möchte hier wahrlich niemanden übersehen oder gar bewußt ignorieren -- auch in allen sonst noch erdenklichen Geschlechtern.
Bleiben wir also ruhig und vor allem dabei: hier wirkt im Lateinischen die grammatikalische Weiblichkeit, stellvertretend für alle, wirklich auch: für alle anderen, die im Geschwätz ihre Bestimmung und Lebensäußerungen sehen und konsequent betreiben. (Nein, obwohl es mich lockt, ich betone jetzt nicht all jene unseligen Stimmen und Stimmlagen aus der Politik, auch nicht jene zahlreichen tumben und lästigen Belehrungsakrobaten, Verzeihung: auch deren weibliche (oder sonstigen) Pendants sind natürlich miteingeschlossen hier!, aus Medien und dem Unterhaltungs(un)wesen oder sonstigen Artikulationssphären mit niederer oder gar keiner Qualität. Was einzig und allein zählen sollte ist: Geschwätz und Geschwätzigkeit zu durchschauen, sich davon nicht einhüllen, nicht einfangen zu lassen und vor allem auch, sich selbst daran nie und nimmer zu beteiligen. Meiden wir also das Geschwätz, die Geschwätzigkeit, aus welchem Geschlechtermunde sie auch immer sich lautstark herausdrängen, herausodeln mag, verweigern wir uns dem Mundstuhl ...
Und was deutsches Überpuristentum mit seiner krebshaften Verbreitungskraft angeht, mag es vielleicht jenen Vertretern (bitte als generisches Maskulinum zu lesen und zu verstehen!) ein Trost sein und triumphales Siegesgeheul entfachen: hierzulande heißt es -- DAS GESCHWÄTZ. Wenn das nicht eine Genugtuung auf der Straße notwendiger Sprachbereinigungen ist und somit heftige Arbeit und überlautes Engagement erspart!
Wer unter all jenen eifrigen Sprachkritikgeisternden sich aber jetzt schon um das eigene mögliche Tätigkeits- und Bereinigungsfeld sorgen sollte, sich gar durch eine Leere im eigenen Dasein gefährdet fühlt, dem, der, die, das, er, sie, es, und noch mehr davon, sei tröstend gesagt: ihr werdet gewiß weiterhin fündig werden, denn dafür werdet schon ihr selbst zielgerichtet sorgen ...
Da mag es dann doch sehr beruhigend wirken, wenn die alten Lateiner sich mit ihrem malum (nein, ich meine hier nicht den Apfel! Bitte mich jetzt nicht über "pomum"belehren, sondern sich selbst ggf. über die Bedeutungen von "malum" fündig machen ...) streng neutrumbezogen gegeben haben. Und wir dagegen? Entgleisungen allerorten! DER Fehler, Gott sei Dank dann aber auch wieder DAS Gebrechen, DAS Übel, DAS Unheil, DAS Leid, DAS Laster, aber dann auch wieder -- Potzblitz! -- DER Schaden. Sollten Männer nun gar um ihre Potenz fürchten, vielleicht auch ihre Anerkennung als makelloses Wesen gefährdet sehen, dann nichts wie hin auf die Rennbahn der Sprachwetteiferer, vielleicht sogar mit dem Gefühl des Denen-werden-wir-es-einmal-zeigen zum Ungewöhnlichen lenken: DIE Schaden, Die Fehler (als Singular natürlich dann!).
Man sollte schon bisweilen auch mal kräftig mithalten mit jenen Sprachsäuberungswahnsinnigen, den Wahnsinn also nicht den anderen, der Minderheit überlassen, zeigen, daß man sehr wohl auch etwas zu sagen und zu bewegen hat, daß man auch selbst wahnsinnig auf des Lebens Bahnen zu fahren weiß.
Eine Einschränkung möchte ich aber bei diesem Vorschlag dann doch vornehmen: diesem Geheule nur dann beitreten, wenn einem dafür das Leben dann doch nicht zu schade sein sollte. Ich wähle all jenen Sinnentfernern gegenüber (ein wenig Aufmerksamkeit sollte man ihnen schon schenken, damit sie nicht allzu übermütig und mächtig werden!!!) als Ausdruck des Unwillens dieses MALUM!, MALUM!, MALUM!, entsprechend dem deutschen ZUM HENKER! (o weh, gibt es denn keine Henkerinnen, also sprachliche Gerechtigkeit zu verwirklichen. Da sollte einmal in jenen Kreisen gründlich und sehr kritisch nachgedacht werden. Überprüfet! Hi igitur candidati accurate hac de causa inspiciantur ... Aber dieser Überprüfung ungeachtet, wir bleiben dabei: all das, was jenes MALUM (nochmals: nicht der Apfel, der allerdings bekanntlich nicht weit vom Baume fällt ...) in welcher geschlechtlichen Bezogenheit auch immer bezeichnet, zu vermeiden trachten. Halten wir es somit auch ein wenig (besser noch: ein wenig mehr ...) mit dem altehrwürdigen Seneca: Effugere non potes necessitates, potes vincere! Es ist doch zutreffend, daß man allzu oft Zwänge zwar nicht vermeiden kann, aber man kann versuchen (ernsthaft und mit Kraft), sie zu besiegen, zu beseitigen, oder wenigstens ihnen aus dem Wege zu gehen. Müht man sich, gibt man sich Kraft, dann trifft es doch sehr oft zu, was Vergil mit seinem Labor omnia vincit! uns zu sagen hatte.
Also: non lalia, non malum wirke als Hoffnung und Bemühen gleichermaßen, und halten wir unsere Sinne offen, für das zu Meidende, für das zu Bekämpfende. Dazu gehört sicherlich auch der grassierende Genderunsinn mit seinen mehr als lächerlichen, eher die jeweils eigene Psyche jener Apologeten gründlich demaskierenden Rechtfertigungsversuchen.
"Deinde plurimum remedia continuata proficiunt: Interrumpenda non est quies et vitae prioris oblivio; sine dediscere oculos tuos, sine aures assuescere sanioribus verbis."
Seneca: Epistulae Morales – Epistula 69
(Sodann sind diejenigen Heilmittel die wirksamsten, die stetig angewendet werden: Die Ruhe darf nicht unterbrochen und die Erinnerung an das frühere Leben nicht immer wieder geweckt werden; laß deine Augen verlernen, laß deine Ohren dauernd vernünftigerer Rede zugänglich werden.)
Felix qui potuit rerum cognoscere causas.
(Vergil)
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