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Über mich
Ich bin in einem Marktflecken in Süddeutschland aufgewachsen. Habe jenen irgendwie auch als "Kaff" erlebt, "wo nix los war" (so damals bisweilen eben immer wieder auch so gefühlt). Gleichwohl -- summa summarum -- so schlecht war es dort nicht, häufig sogar "sehr gut" mit schönen Erlebnissen; und man konnte da ja auch immer wieder dafür sorgen, daß "etwas los war". [Später wurde der Ort zur Stadt erhoben. Von einigen, die wohl gerne dazu tendieren, aus wenig mehr zu machen, wurde der Platz dann wiederholt "als Unterzentrum mit möglicher Mittelzentrumsfunktion" gesehen.]
Behütete, schöne Kindheit. Volksschule, dann Gymnasium. Internatszeit, Fahrschüler, Bergbaulehre, "Begabtenabitur" auf zweitem Bildungsweg, diverse Tätigkeiten, auch eine (von mir dann Gott sei Dank: abgekürzte) Zeit bei der Bundeswehr, lange Jahre Fachlehrer für Englisch und diverse andere Tätigkeiten. Mehrere Abschlüsse, darunter Magister Artium (M.A.); neben der Arbeit zusätzlich lange Jahre verschiedene Studiengänge "um den Geist nicht rosten zu lassen". Frühzeitig und wohl auch rechtzeitig meinen eigenen Weg gegangen. Viel gereist. Liebe Natur, schöne Gegenden, Musik (da alle möglichen Richtungen je nach Stimmungslage), Literatur (schreibe auch selbst gerne) und wirklich interessante Leute ("interessant" als Vielfalt, vor allem als "Originale"). Ich mag vor allem nicht: u.a. Oberflächlichkeit und Hohlheit, Verlogenheit, das sinnlos Laute, überflüssige Hektik, Naturzerstörung, Großtuerei, Kraftmeiereien, jenes So-tun-als-ob, Raffgier, Langweiler / Langweilerinnen, notorische Jammerer, Aktionismen, Schein statt Sein, zu viel an Fremdbestimmung, Mainstream ... Generell mag gelten: ich mag doch noch mehr als ich ablehne, dies jedoch ist sicherlich vor allem der Tatsache geschuldet, daß mein Bemühen, Lästiges oder gar Zerstörendes getreu dem Motto "Wehret den Anfängen" zu (ver-)meiden, schon sehr früh im Vordergrund meiner Anstrengungen stand und immer noch steht.
Da bin ich während der Kindheit und den frühen Jugendjahren aufgewachsen, habe aber auch später lange Jahre im "Bienenhaus" (Gebäude links) gelebt.
"Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren."
(Adlai Ewing Stevenson)
Biographie Encore
Ich lebe im überwiegend schönen Unterallgäu, im zumeist ebenso schönen Bayernlande gelegen. Viel Zeit widme ich dem Lesen, der Musik und vor allem auch der Natur. Früher bin ich viel gereist, vor allem immer wieder nach Groß-Britannien und Griechenland. Mittlerweile ziehe ich das schöne Deutschland und Österreich all den anderen Zielen vor. Wie überhaupt die nähere Umgebung bereits so viel Schönes und Erlebenswertes bietet ...
Es gibt halt viel zu viel Schönes auf der Welt und das kann man eben nicht alles sehen, auch nicht alles "brauchen". Wie ich überhaupt mich bemühe, jener Weisheit zu folgen, die da meint, es gäbe so viel Schönes, das man nicht braucht. Womit bereits gesagt ist, daß mir vor allem Ruhe und Entspannung oberste Lebensziele sind. Man muß ja nicht "überall" dabei sein, nicht jede Sinnhaftigkeit noch jeden Unsinn, den der Zeitgeist einem anempfiehlt, mitmachen ...
Fremdbestimmung versuche ich so gut es eben geht zu vermeiden, was mir selbst im Berufsleben fast immer recht gut gelungen ist. Auch trachte ich danach, jenen Personen aus dem Wege zu gehen, die zuviel eigene Nabelschau betreiben und den 'Geist der großen Wörter' (wohlgemerkt: nicht den der 'Worte' ...) ständig beschwören zu müssen glauben. Aber auch jenen, die andauernd oder auch nur überwiegend die Vergangenheit betrachten und hochleben zu lassen wünschen, lade ich nicht unbedingt mit auf meine Wege ein...
Also letztlich der Versuch, eine vernünftige Synthese aus dem, was einmal war (weil man ja ein gutes Stück dessen in die eigene Persönlichkeit mitnimmt), vor allem jedoch: was gegenwärtig ist, und natürlich auch ein klein wenig von dem, was sein könnte und sein sollte und vielleicht auch sein wird (entsprechend also: der kleine, zumindest auch etwas in die Zukunft gerichtete Blick ...), zu schaffen...
Ach, eben ein Leben getreu der Einsicht: Alles fließt ...
"Schließlich lagen Tugend und Weisheit darin, sich still und ruhig niederzulassen, und so sehr man sich plagen mochte,
das Leben würde sich doch nie in die Form zwingen lassen, die man sich wünscht."
(Anton Gill, Die Rache der Pharaonen)
... ein Blick aus und in längst vergangene(n) Fernen ...
Manche wittern pfiffig dreist alle Finten,
alle Schliche, nichts ermangelt ihrem
Geist als der Sinn fürs Wesentliche.
Ludwig Fulda
"Wie alle Menschen hatte auch er während seines Lebens Vorstellungen und Träume in sich getragen. Manches davon hatte er sich selbst erfüllt, manches war ihm geschenkt geworden. Vieles war unerreichbar geblieben oder war ihm, kaum erreicht, wieder aus den Händen gerissen worden. Aber er war immer noch da. Und wenn er morgens über die taunasse Wiese vor seiner Hütte ging und sich auf einen der verstreuten Flachfelsen legte, in seinem Rücken den kühlen Stein und im Gesicht die ersten warmen Sonnenstrahlen, dann hatte er das Gefühl, dass vieles doch gar nicht so schlecht gelaufen war."
(Robert Seethaler, Ein ganzes Leben, Hanser Berlin 2014, S. 141f.)
Leonard Cohen singt in einem seiner schönsten Lieder: I saw a beggar leaning on his wooden crutch, he said to me "you must not ask for so much" and the pretty woman leaning in her darkened door, she cried to me "hey, why not ask for more?" (Bird on the Wire)
Und sicherlich eine Kunst im Leben dürfte es sein, den für einen selbst jeweils 'richtigen' Weg im Anspruchsverhalten zu finden, sich zwischen den beiden Polen des "Zuwenig" und des "Zuviel" vernünftig, d.h. erträglich zu betten ... Und das habe ich selbstverständlich auch versucht, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Zu dieser Positionierung gehört auch, sich beizeiten von 'falschen' Personen zu trennen, sich den 'richtigen' zuzuwenden und mit ihnen gestalten zu versuchen. Ersteres ist immer machbar, letzteres, wie die Erfahrung lehrt, allerdings nur oft.
Und man muß schließlich nicht überall dabei sein, man muß gewiß nicht 'alles' mitmachen -- im Gegenteil, der sinnvolle Verzicht erfüllt die Forderung jenes 'multum non multa' fast immer besser, als jene (letztlich unerträgliche und kontraproduktive) Hast und Hatz nach dem "Dabeisein". Wie heißt es so treffend: In der Ruhe liegt die Kraft. Dies sollte man nie vergessen. Es ist für die eigene Gesundheit und für das eigene Wohlergehen sicherlich nicht zielführend, wenn man (gar inflationär) um Anerkennung buhlt, ohne sorgfältig im Vorfeld abgewogen zu haben, wem man diese Gunst denn schenken möchte und sollte, wer sie einem abverlangen darf. Klar, ab und zu gilt es hier Kompromisse zu schließen (vor allem im beruflichen Umfeld), aber diese sollten auf ein Minimum reduziert werden. Und das ist möglich! Zumindest war ich darin nicht gerade erfolglos ...
Die meisten sogenannten Ehrungen und die nicht selten auf brüchigen Böden errichteten Wertschätzungen (besonders von Leuten, die sich gewiß zwar wehren würden, als "Hinz und Kunz" bezeichnet zu werden, aber genau dies in erster Linie sind -- egal welche Hofierungen ihnen sonst im Alltag zuteil werden ...) sind ohnehin für die Katz (dies nur bildlich so ausgedrückt, ohne den Katzen damit Unrecht tun zu wollen!) und taugen nichts für die wirkliche Bewertung eigenen Lebens.
Vielleicht liefert auch hierfür Robert Seethaler in seinem o.g. Roman einen für viele Menschen eigentlich recht brauchbaren Gang: "Er hatte länger durchgehalten, als er selbst es für möglich gehalten hätte und konnte im Großen und Ganzen zufrieden sein. Er hatte eine Kindheit, einen Krieg und eine Lawine überlebt. Er war sich nie zu schade für die Arbeit gewesen, (...). Er hatte oft und oft sein Leben an einen Faden zwischen Himmel und Erde gehängt und in seinen letzten Jahren als Fremdenführer hatte er mehr über die Menschen erfahren, als er begreifen konnte. Soweit er wusste, hatte er keine nennenswerte Schuld auf sich geladen, und er war den Verlockungen der Welt, der Sauferei, der Hurerei und der Völlerei, nie verfallen. (...) Er hatte geliebt. Und er hatte eine Ahnung davon bekommen, wohin die Liebe führen konnte. (...) Er war nie in die Verlegenheit gekommen, an Gott zu glauben, und der Tod machte ihm keine Angst. Er konnte sich nicht erinnern, wo er hergekommen war, und letztlich wusste er nicht, wohin er gehen würde. Doch auf die Zeit dazwischen, auf sein Leben, konnte er ohne Bedauern zurückblicken, mit einem abgerissenen Lachen und einem einzigen, großen Staunen." (ebd., S. 146f.)
Auf die Erlebnisse der Krieges kann man freilich gut und gerne verzichten, auf viele andere negative Gegebenheiten gewiß auch, aber ansonsten schildert hier Seethaler einen Rückblick, der genau genommen, für die allermeisten Menschen erstrebenswert wäre, so sie dies denn zugeben könnten und wollten. In eine Action-Gesellschaft mag das nicht so recht passen, der medialen Verseuchungsaktivitäten kommt ein derartiger Lebensweg auch nicht gerade zupaß, Arbeitsscheue und Hotel-Mama-Exponenten dürften sich hier ebenfalls weniger wiederfinden wollen, aber all jene, die sich ein wenig um Wege zum Tiefgang und Vermeiden von Oberflächlichkeit sowie Hektik zu bemühen trachten, können mit dieser Haltung der Romanfigur Andreas Egger durchaus Berührungsebenen finden.
Wie soll man also die Frage nach den Schwerpunkten im Leben beantworten? So sollte man sie schon mal überhaupt nicht stellen, sondern besser: Wie soll ICH für MICH die Frage nach den Schwerpunkten angehen. Eine Grundvoraussetzung: sich zu jeder Phase seines Lebens erst einmal überhaupt darauf einlassen und der Herausforderung nicht fliehen ... Hierzu gehört zweifelsohne die Aufgabe beizeiten und zu gewissen Dingen schlicht und einfach NEIN! zu sagen, allerdings auch die Suche nach den Feldern, wo ein klares JA! (für einen) sinnvoll und zielführend ist.
Kurzes Interludium:
Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.
Albert Einstein
... ein Blick aus und in längst vergangene Fernen ...
"Während man's aufschiebt, geht das Leben vorüber."
Lucius Annaeus Seneca
"Wer nur zurückschaut, kann nicht sehen, was auf ihn zukommt."
Konfuzius
Den Zeitgeist lass getrost geschehen
und die Erkenntnis in dir reifen:
Du brauchst nicht mit der Zeit zu gehen,
nur ist es klug, sie zu begreifen.
Karl-Heinz Söhler
"Wer sich selbst wirklich erkennt, der hat seinen Schwerpunkt in sich und nicht in der Meinung der Mitmenschen."
Carl Peter Fröhling
"Am jetzigen Verfall hat jeder von uns seinen eigenen Anteil."
(Michel de Montaigne)
“Friends show their love in times of trouble, not in happiness.”
(John Steinbeck)
Anmerkung: die nun folgenden Inhalte finden sich zum Teil unter "Altes" schon, dennoch noch einmal auch hier, nicht zuletzt weil einige Haltungen in die Gegenwart und wohl auch in die Zukunft weiterwirken ... Und auch sonst gilt: ich arbeite bisweilen gerne mit Redundanz.
Ein wenig zusätzliche Biographie soll auch hier wieder einen Beitrag zur "Verortung", zur "Genese" leisten, sozusagen Hilfe zur notwendigen ideologiekritischen Durchdringung allen Seins ...
Ich bin im südlichen Schwaben aufgewachsen. Einige Jahre verbrachte ich davon im Internat in Hohenschwangau. Diese Aufenthalte haben sicherlich auch die Grundlage für meine Liebe zur Natur, zu den Bergen und Seen gelegt. Als Junge spielte ich sehr gerne Fußball und im Winter Eishockey. Die Grundschulzeit verbrachte ich vier Jahre in Schwabmünchen, damals ein eher extrem dörflich geprägter Ort ohne großen Charme, südlich von Augsburg. Den Schuljahren in Hohenschwangau folgten noch Schulbesuche in Donauwörth und Augsburg. Den Gymnasialbesuch in Augsburg brach ich in der Oberstufe ab, um endlich ein eigenes Leben führen zu können. Weil so etwas nicht ohne finanziellen Hintergrund geht, ging ich nach Dortmund, um dort eine Bergbaulehre zu absolvieren. Nur im Bergbau war seinerzeit die Bezahlung so gut, daß man sich eine absolute finanzielle Unabhängigkeit schaffen konnte. Nach erfolgreichem Lehrabschluß arbeitete ich noch einige Zeit im "Pütt" (Kohlenpottsprache für Bergwerk), gab jedoch meinen ursprünglichen Plan Bergingenieur zu werden aus zweierlei Gründen auf: Erstens war absehbar, daß der Steinkohlebergbau in Deutschland keine Zukunft mehr haben würde und zweitens wollte ich lieber wieder weiter südlich ziehen ... Die Bundeswehr konnte ich leider nicht so richtig umgehen (Ersatzdienst wäre für mich auch nicht in Frage gekommen, weil ich dazu überhaupt keine Lust hatte.), suchte dabei stets nach einer Möglichkeit, auch finanziell weiterhin auf eigenen Füßen stehen zu können. Insofern "verpflichtete" ich mich dort, bereits damals mit dem ganz festen Vorsatz beizeiten Kriegsdienstverweigerungsanerkennung zu erlangen. Sicherlich inkonsequent, aber es gibt Fälle, in denen Konsequenz in dummen Heroismus münden kann und ich bin der Auffassung (den Aufschrei der ehrlich oder auch nur pharisäerhaft Empörten höre ich nun wohl ...), daß es durchaus Fälle gibt, wo der Zweck die Mittel heiligt, vor allem dann, wenn alle mit dem Sachverhalt verbundenen Aspekte ausschließlich von dritter Seite, z.b. dem Staat, herrühren.
Ich bleibe übrigens ganz bewußt beim Begriff "Kriegsdienstverweiger", weil er der ursprüngliche und die Sache am besten beschreibende ist. (Der Gesetzgeber machte erst später aus dem ursprünglichen "Kriegsdienstverweigerer" den "Wehrdienstverweigerer", was meiner Ansicht nach in der Folge leider auch die "Drückebergereidiskussion" zu befördern half und wohl auch so eine Art "Harmlosigkeit" des Militärdienstes von interessierter Seite suggerieren sollte ... Heutzutage schaut das natürlich gänzlich anders aus -- bei all der auch durch die Bundeswehr betriebenen weltweiten Einmischung in Konfliktherde -- da ist die "Gefährlichkeit" unmittelbar zu spüren, zumindest für diejenigen, die sie auch wahrnehmen wollen bzw. können.) Jedenfalls verließ ich die Bundeswehr konsequent zu den von mir intendierten Setzungen und erwirkte auch innerhalb der von mir vorgesehenen Zeitspanne die Anerkennung als -- Wehrdienstverweigerer (nochmals, damit es nicht vergessen wird: Kriegsdienstverweigerer).
Die Zeit zwischen dem Abschied vom Bergbau bis hin zu Beginn der (zu keinem Zeitpunkt wirklich "berauschenden") Militärepoche überbrückte ich unter anderem als (angelernter) Verkäufer in einem Kaufhaus, als freier Handelsvertreter, als Schlafwagenschaffner bei der DB, als Auslieferungsfahrer für Elektro- und Haushaltsgeräte im Ruhrgebiet, als Diskjockey und natürlich auch mit einer angenehmen Portion an Müßiggang.
Es folgten Begabtenabitur (in Bayern), Sprachstudium, universitäre Studien und meine Tätigkeit als Fachlehrer für Englisch; mit letzterer Aufgabe bestritt ich dann den überwiegenden Teil meines beruflichen Lebens in einer nicht gerade unangenehmen Synthese von Arbeit und freier Zeit mit entsprechendem Dispositionsspielraum. Eine zumeist sehr angenehme wie auch in vielen Fällen sinnvoll herausfordernde Schaffensperiode ...
Einen Universitätsabschluß habe ich als Magister Artium mit dem Hauptfach Erziehungswissenschaften (ein Schwerpunkt davon: Arbeitspädagogik) und den beiden Nebenfächern Sozialwissenschaften und Quantitative Methoden (Statistik und Ökonometrie). Die Aufzählung weiterer Studien erspare ich mir an dieser Stelle -- Lernen war für mich etwa ab dem achtzehnten Lebensjahr schon immer sehr wichtig und hat weite Teile meines Lebensweges mitbestimmt.
Den Eltern verdanke ich sicherlich einen Großteil meines (von mir als überwiegend angenehm erlebten) Lebensweges, zumindest haben sie bis zu einem gewissen Alter sowohl die materiellen, emotionalen und motivationalen Grundlagen geschaffen, einen recht baldigen selbständigen Weg zu gehen. Als ich dann das Elternhaus endgültig verließ, um in den Ruhrpott zu gehen, reduzierten sich die Kontakte auf ein Mindestmaß. Übrigens einen Weg, den ich immer wieder so unter diesen Umständen gehen würde; man kann nicht früh genug unabhängig sein! Die Störche und viele anderen Tiere leben uns das bekanntlich ja vor ...
Mit den Jahren beschäftigte ich mich zunehmend mit der Schriftstellerei. Ich schreibe Gedichte, Romane, Kurzgeschichten, Essays, politische Betrachtungen und all das, was in mir einen Drang zum Schreiben erzeugt. Was immer ein Mensch auch tut: irgendwie ist er dabei auch -- politisch. Dieser Aspekt geht natürlich weit über das hinaus, was gemeinhin als Mitgliedschaft in einer Partei oder ähnlichen Gruppierung oder als Sympathisantentum in konkreter Bindung gesehen wird. Nein, die Erfahrung lehrte mich zumindest, daß Unabhängigkeit im Denken, das Bemühen um Diskursivität und Diskussion, Offenheit und Zuhören auch (oder besser: gerade) gegenüber den Andersdenkenden die wesentlichen Elemente zur Schaffung und zum Pflegen demokratisch orientierter Verfahrensweisen sind und dieses Bemühen in vielen Gruppierungen leider nur (zumindest) erschert wenn nicht gar unmöglich gemacht wird.
Daß ich bei dieser (Geistes-)Haltung blinde Folgsamkeit, der party-whip gehorchende Prinzipien (wie beispielsweise: Fraktionszwänge), das Betreiben einer (übrigens sprachlich vergewaltigten Begrifflichkeit wie einer) Politischen Korrektheit und Disziplinlosigkeit in Auseinandersetzungen zutiefst ablehne und entsprechend auch mich in Distanz zu vielen Personen aus dem öffentlichen Raum (vor allem auch: Politiker und Politikerinnen) sehe und ganz bewußt einordne, versteht sich von selbst.
Gewisse Dinge kann man sachlich, nüchtern beschreiben, manche Ansichten und Kommentare können derselben Sprachebene genügen, andere wiederum vertragen allenfalls nur noch Ironie und Satire, nicht wenige aber lassen sich, so meine Überzeugung (ich lasse mich da, wie auch sonst, durch qualifizierte Argumente gerne eines besseren belehren ...), nur mehr durch dichterische Verarbeitung in den entsprechenden Stilen und Formen fassen. Dies sollten die Leser sich immer wieder vor Augen halten, wenn sie sich auf meinen Seiten "bewegen". Die Grundlage meines Arbeitens bewegt sich überwiegend unter dem Überbau der "Freiheit" von Wort, Denken, Meinung und Kunst ...
(Bild August 2017, nahe Eistobel)
Von Archilochos gibt es ein meines Erachtens sehr schönes, sehr tiefsinniges Gedicht:
"Solch ein Liebesverlangen ist
heimlich ins Herz geschlichen,
goß auf die Augen viel
des dichten Nebels,
stahl den feinen Verstand
aus der Brust hinweg."
Als ich einmal darüber mit einem Bekannten sprach, meinte jener, das sei ihm alles zu "sprachspielerisch", vor allem zu negativ. Wirklich? Trifft das so zu? Ich sehe es gänzlich anders: Der Nebel über den Augen ist nicht als Verlust an Sehstärke nach außen zu verstehen, sondern -- ganz im Gegenteil -- die Möglichkeit, einmal mehr tief nach innen zu sehen. Versunkenheit, die Möglichkeit, eigene Träumerei zu pflegen, das ist meine Sichtweise von Archilochos' nur auf den oberflächlichen Blick betrachtete negative Sicht. Ein gutes Beispiel´dafür, wie eng und häufig oft negative und positiv gerichtete Interpretation beieinander liegen. Jenes "stahl den Verstand aus der Brust hinweg" ist ja nicht als endgültiger Verlust an Verstandesmöglichkeiten zu sehen, sondern vielmehr als ein rein zeitlich begrenztes Phänomen, sich wieder einmal nicht nur verstandgeleitet in den Ebenen von Realität und Gefühlswelt zu orientieren, sondern den Blick auch einmal in die andere Richtung als in die des Außengeleiteten und so -- vermeintlich -- objektiv Dargebotenen zu lenken, nämlich nach innen, vielleicht dabei dem Gedanken folgend, was man denn selbst eigentlich wirklich möchte, vom Leben erwartet. Dies führt bisweilen dazu, das Gefühl als eine Art Erkenntnisorgan einzustufen. Heinrich von Kleist hat das Mit- und Gegeneinander von Gefühl und Verstand in seinen Arbeiten immer wieder besonders deutlich hervorgehoben. Natürlich nicht nur er. Aber bei ihm wurde es immer wieder besonders deutlich. Kleists Gefühl "ist die bewegte menschliche Mitte, eine bebende Stimme der Wahrheit, deren Unsicherheit niemals geleugnet wird und die dennoch das einzige bleibt, was dem Menschen eine Chance gibt, der schwankenden Welt mit einiger Festigkeit zu begegnen. (...) Kleists Vorstellung vom Gefühl meint etwas anderes als Ausschüttung, subjektive Erleichterung und ein Hinaussingen der Seele. Vielmehr wird Fühlen -- und das ist die spezifisch Kleistsche Wendung -- zu einem Mittel der Wahrnehmung." (Günter Blöcker, Heinrich von Kleist oder Das absolute Ich, Frankfurt a. M. 1977, S.132f.) Es ist leicht belegbar sowie durchaus nachvollziehbar , wenn Blöcker in diesem Zusammenhang von "Das erkennende Gefühl" spricht. Ganz besonders deutlich wird dies in von Kleists Frühwerk "Die Familie Schroffenstein" (1802), wo alle Sehenden versagen, die Wirklichkeit zu erkennen, dies ganz im Gegensatz zum blinden Großvater, der letztlich die Wirklichkeit deutlich erfaßt.
Ich lebe im überwiegend schönen Unterallgäu, im zumeist ebenso schönen Bayernlande gelegen. Viel Zeit widme ich dem Lesen, der Musik und vor allem auch der Natur. Früher bin ich viel gereist, vor allem immer wieder nach Groß-Britannien und Griechenland. Mittlerweile ziehe ich das schöne Deutschland und Österreich all den anderen Zielen vor. Wie überhaupt die nähere Umgebung bereits so viel Schönes und Erlebenswertes bietet ...
Es gibt halt viel zu viel Schönes auf der Welt und das kann man eben nicht alles sehen, auch nicht alles "brauchen". Wie ich überhaupt mich bemühe, jener Weisheit zu folgen, die da meint, es gäbe so viel Schönes, das man nicht braucht. Womit bereits gesagt ist, daß mir vor allem Ruhe und Entspannung oberste Lebensziele sind. Man muß ja nicht "überall" dabei sein, nicht jede Sinnhaftigkeit noch jeden Unsinn, den der Zeitgeist einem anempfiehlt, mitmachen ...
Fremdbestimmung versuche ich so gut es eben geht zu vermeiden, was mir selbst im Berufsleben fast immer recht gut gelungen ist. Auch trachte ich danach, jenen Personen aus dem Wege zu gehen, die zuviel eigene Nabelschau betreiben und den 'Geist der großen Wörter' (wohlgemerkt: nicht den der 'Worte' ...) ständig beschwören zu müssen glauben. Aber auch jenen, die andauernd oder auch nur überwiegend die Vergangenheit betrachten und hochleben zu lassen wünschen, lade ich nicht unbedingt mit auf meine Wege ein...
Also letztlich der Versuch, eine vernünftige Synthese aus dem, was einmal war (weil man ja ein gutes Stück dessen in die eigene Persönlichkeit mitnimmt), vor allem jedoch: was gegenwärtig ist, und natürlich auch ein klein wenig von dem, was sein könnte und sein sollte und vielleicht auch sein wird (entsprechend also: der kleine, zumindest auch etwas in die Zukunft gerichtete Blick ...), zu schaffen...
Ach, eben ein Leben getreu der Einsicht: Alles fließt ...
"Schließlich lagen Tugend und Weisheit darin, sich still und ruhig niederzulassen, und so sehr man sich plagen mochte,
das Leben würde sich doch nie in die Form zwingen lassen, die man sich wünscht."
(Anton Gill, Die Rache der Pharaonen)
... und ich liebe Störche sehr ...
... aber auch Kraniche ...
Morgen ist der erste Tag vom
Rest deines Lebens.
Indianerweisheit
Andere Wege ...
"Der Individualist als Typus ist auf der Suche nach kleinen, unerhörten Begebenheiten, in denen sich seine Unverwechselbarkeit ausdrücken soll. (...) Ein Individualist, der nur dann einer ist, wenn die anderen es auch merken, ist einem kläglichem Selbstmißverständnis in die Falle gegangen."
Wilhelm Genazino (aus: Auf der Kippe, Ein Album, Rowohlt Reinbek bei Hamburg 2000, S.58)
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